BIM Software für die Infrastruktur: Definition, Nutzen und Lösungen
Wie werden Infrastrukturprojekte heute geplant?
BIM (Building Information Modeling) ist im Infrastrukturbereich längst kein Zukunftsthema mehr, sondern bei öffentlichen Großprojekten zunehmend Voraussetzung für die Auftragsvergabe. Doch was genau bedeutet BIM bei einer Straße, einer Brücke oder einem Leitungsnetz – und welche Software wird dafür tatsächlich gebraucht? Dieser Artikel ordnet Begriffe, Normen und Softwarelösungen ein.
Was bedeutet BIM im Infrastrukturkontext?
BIM steht für eine Arbeitsmethode, bei der nicht nur Geometrie, sondern strukturierte, verknüpfte Informationen zu einem Bauwerk über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg digital erfasst und gepflegt werden – von der ersten Planungsidee über den Bau bis zum Betrieb und irgendwann dem Rückbau. Im Infrastrukturbereich heißt das konkret: Ein Straßenabschnitt, eine Brücke oder ein Wasserleitungsnetz wird nicht mehr nur als Zeichnung, sondern als datenreiches, dreidimensionales Modell abgebildet, das Materialeigenschaften, Bauzeiten, Kosten und Wartungsinformationen enthält.
BIM im Infrastrukturbau vs. BIM im Hochbau
BIM wurde ursprünglich vor allem für den Hochbau entwickelt, und viele der etablierten Standards, Objektbibliotheken und Klassifikationssysteme sind entsprechend gebäudezentriert. Infrastrukturprojekte unterscheiden sich davon in wichtigen Punkten:
Lineare, geodätisch verortete Bauwerke
Eine Straße oder Bahnstrecke erstreckt sich über Kilometer und ist untrennbar mit Geodaten, Vermessung und Geländemodellen verbunden – anders als ein einzelnes Gebäude an einem Standort.
Andere Beteiligte, andere Vergabeverfahren
Öffentliche Auftraggeber wie Straßenbauämter, die Autobahn GmbH oder die Deutsche Bahn haben eigene Anforderungen, die sich von privaten Hochbauprojekten unterscheiden.
Normerweiterung erforderlich
Die internationale Norm DIN EN ISO 19650, ursprünglich stark hochbaulastig, wurde in ihrer aktuellen Fassung explizit um Infrastruktureinrichtungen wie Brücken, Straßen, Eisenbahnen, Wasserstraßen und Hafenanlagen erweitert – ein Zeichen dafür, dass Infrastruktur-BIM eigene Anforderungen an Daten und Prozesse stellt.
Welche Vorteile bringt BIM für Infrastrukturprojekte?
Rechtlicher Rahmen: BIM-Normen und der Stufenplan in Deutschland
Für Infrastrukturprojekte in Deutschland ist vor allem eine Normenreihe relevant: DIN EN ISO 19650, bestehend aus mehreren Teilen:
Teil 1: Begriffe und Grundsätze
Teil 2: Planungs-, Bau- und Inbetriebnahmephase
Teil 3: Betriebsphase der Assets
Teil 5: Sicherheitsbelange von BIM und digitalisierten Bauwerken
Die Norm definiert Rollen, Verantwortlichkeiten und Abläufe für alle Projektbeteiligten und führt zentrale Begriffe wie AIA (Auftraggeber-Informationsanforderungen) und BAP (BIM-Abwicklungsplan) ein, die beschreiben, welche Informationen ein Auftraggeber verlangt und wie das Projektteam diese Anforderungen konkret umsetzt.
Auf politischer Ebene hat das zuständige Bundesministerium mit dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen einen mehrstufigen Fahrplan zur BIM-Einführung im Verkehrsinfrastrukturbereich vorgelegt. Der Stufenplan sieht eine schrittweise Einführung vor – von ersten Pilotprojekten bis zur breiten Anwendung bei Bundesfernstraßen- und Schienenprojekten.
Wichtig für die Einordnung: BIM ist in Deutschland nicht pauschal gesetzlich für alle Bauprojekte vorgeschrieben, sondern wird stufenweise vor allem bei öffentlichen Infrastrukturprojekten zur Vergabevoraussetzung. Private Auftraggeber verlangen BIM zunehmend freiwillig, weil sie von den Effizienzvorteilen profitieren wollen.
BIM-Reifegrade verstehen
Ein hilfreiches Konzept zur Einordnung, wo ein Projekt oder Unternehmen aktuell steht:
Die meisten deutschen Infrastrukturprojekte bewegen sich aktuell zwischen Level 1 und Level 2.
Die wichtigsten BIM-Softwarelösungen für Infrastruktur
OpenRoads Designer und OpenBuildings (Bentley)
Für die reine Infrastrukturplanung – Straßen, Vermessung, Entwässerung – ist OpenRoads Designer auf BIM-Workflows ausgelegt und deckt den gesamten Weg vom Konzept bis zur Bauausführung ab. Für Bauwerke mit stärkerem Gebäudecharakter (z. B. Bahnhofsgebäude, technische Betriebsbauten) kommt ergänzend OpenBuildings Speedikon zum Einsatz, das speziell auf deutsche Planungsnormen ausgerichtet ist.
ProjectWise 365 (Kollaboration)
Für die im BIM-Kontext zentrale gemeinsame Datenumgebung setzt Bentley auf ProjectWise 365 – eine cloudbasierte Plattform für Design-Reviews, Fortschrittsverfolgung und Zusammenarbeit mehrerer Projektbeteiligter, mit Integration in gängige Tools wie Microsoft Teams.
iTwin (Digitaler Zwilling)
Für den Schritt vom BIM-Modell zum echten digitalen Zwilling im Betrieb bietet Bentley mit der iTwin-Plattform eine Lösung, die BIM-Daten mit Echtzeitinformationen aus dem laufenden Betrieb verknüpft.
Autodesk InfraWorks und Civil 3D
Auf der Autodesk-Seite übernimmt InfraWorks die frühe, konzeptionelle Infrastrukturplanung mit starkem Fokus auf Geländekontext, während Civil 3D die Detailplanung übernimmt. Beide sind eng in das breitere Autodesk-BIM-Ökosystem (inkl. Revit für Gebäudeanteile) eingebunden – ein Vorteil für Teams, die bereits mit Autodesk-Werkzeugen arbeiten.
Was erwartet Sie in der kostenlosen Beratung?
FAQ
Was ist BIM im Infrastrukturbau?
Welche Software wird für BIM im Tiefbau genutzt?
Ist BIM in Deutschland verpflichtend?
Was kostet die Einführung von BIM-Software?
Wie unterscheidet sich BIM von klassischem CAD?
Ihre Ansprechpartner
Cornelie Harms und Joris Lenz
BIM-Einstieg für Ihr Unternehmen planen
Der Umstieg auf BIM-gestützte Infrastrukturplanung ist selten eine reine Softwareentscheidung, sondern betrifft Prozesse, Standards und Teamstrukturen. Als zertifizierter Bentley Partner unterstützen wir Sie dabei, den für Ihr Unternehmen sinnvollen Einstiegspunkt zu finden.
Mehr zum Vergleich der zugrunde liegenden CAD-Plattformen finden Sie in unserem Artikel